Fast Geniales/2

 

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D-Texte

Die zweite Auflage (gesammelt zwischen 2000 und 2009): Schon die 1. Auflage (1985-99) und die 3. Auflage (2010-13) gesehen?
Versuch einer Sortierung:
Die eigentlichen Stilblüten - fast richtige Formulierungen, aber eben nur fast
Aus dem weiten Feld von Orthographie und Grammatik
Fremd- und auch sonst schwierige Wörter
Missverständlich bzw. einfach ein wenig verdreht
Von der Schwierigkeit, etwas so zu lesen, wie der Autor es gemeint hatte
Fächerverbindendes
RELIGION
So jung und schon so philosophisch
 

Die eigentlichen Stilblüten - fast richtige Formulierungen, aber eben nur fast:

1. Klasse, letzte Deutschstunde vor Ostern – (beliebte) Quizstunde.
Lehrer: „Aus welchem österreichischen Bundesland kommt ein Autofahrer mit dem Kennzeichen VL?“
Schüler: „Ich, ich! Fürstentum Liechtenstein!!“

„Eine meiner Lieblingsspeisen ist Gularsch.“
(Dieser Experte weiß genau, dass man dazu hinteres Fleisch braucht!)

2. Klasse:
„Der Hund meiner Großeltern ist ein Kokospanier.“
„Meine Mutter wurde immer schwangerer.“

Kleine Hubis in Sicht:
„Über der Landebahn kreißten die Hubschrauber.“

Spielanleitungen:
„Man muss versuchen, eine Mühle im Auge zu haben.“
„Wenn der Gegner nur mehr drei Steine hat, darf gesprungen werden.“

Ein Gegenstand aus der Schule erzählt:
„Manchmal wurde es im Klassenraum sehr laut, ich hörte Schüler lachen, schreien und streiten. Beim Betreten eines Lehrers wurde es aber immer gleich still.“

Multikulturelle Schlagzeile:
„Ein heimtürkische Vergiftung hinter den sieben Bergen im Zwergental.“

Wenn schon sprachlich falsch, dann gleich richtig:
„An einem Wintertag blieb Katharina M. allein zu Hause. Als plötzlich eine Lawine ausbrach schrie sie vor Angst und begrub sie.“

Zweite Klasse, der erste Problemaufsatz („Radfahrer-Helm ja oder nein?“). Man verirrt sich im Negations-System:
„Man kann mit einem Helm auf der Straße fahren, aber ich glaube, wenn man nicht auf einer Straße fährt, wo nicht sehr viele Autos fahren, braucht man keinen Helm.“
„Doch wenn man keinen Helm trägt, ist die Chance auf eine größere Verletzung nicht so hoch.“

(Spontane Antwort eines Zweitklassers beim bewährten Spielchen „Wie lautet das Präteritum?“)
Lehrer: „Er isst eine Palatschinke.“
Schüler: „Er war eine Palatschinke.“

Eine Zweitklasserin auf die Frage, wo sie in Deutsch noch Schwächen habe:
„Ich bin mir bei die Fälle noch unsicher.“ (Ah ja …)

3. Klasse, Übungssätze zur Konjunktivbildung. Geteiltes Leid …
„Wenn er Asthma hätte, dann bekäme ich keine Luft.“

Thema: weniger gebräuchliche Wörter.
Frage laut Sprachbuch: „Was macht ein Segler, wenn eine FLAUTE kommt?“
Schüler im HÜ-Heft: „Ausweichen.“

Thema „Mein erster Brief an eine Brieffreundin.“
„Ich wohne mitten in New York in einem wunderschönen Haus mit Swimmingpool. […] Gestern wollte ich nicht mehr in den Swimmingpool schwimmen gehen, also fuhr ich mit dem Fahrrad zur alten Donau.“ (Ja ja, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten …)

England, das Land der Geister und Gespenster:
„Als Leopoldines Eltern starben, zogen sie ins Schloss nach London.“
„Nach der Hochzeit bauten sie ein riesengroßes Schloss und lebten bis ans Lebensende, aber zwischen dieser Zeit bekamen sie drei Kinder.“
(Leider NICHT aus einer ersten Klasse … Noch eins vom selben Mann:)
„Die Ambulance brachte den Missglückten in das Spital.“

HÜ zum Thema „Krimi“:
„Als die Polizei eintraf, bekam der Einbrecher einen Scheissausbruch.“

4. Klasse, die erste Erörterung zum Thema „160 km/h auf Autobahnen?“
„Meist spielt auch Alkohol und Schlaflosigkeit am Steuer eine große Rolle.“

Wenn man sich zwischen zwei Wörtern nicht entscheiden kann, erschafft man einen neuen Begriff:
„Der blonde Junge schaut verärgerlicht drein.“

Morsche Hose:
„Dem Jungen platzt schön langsam der Faden.“

Thema „Albtraum“:
„Und ehe ich’s mich versah, lag ich unter dem Operationstisch.“

Verliebte tun manchmal Unerwartetes:
„Und ich sprang in den Armen des Mannes.“

5. Klasse – D-Schularbeit zum Thema „Gartenparty für ein Geburtstagskind“ – es gibt Allzumenschliches:
„Um 8 Uhr brannte das Lagerfeuer schon auf Hochtouren und Würstel wurden über dem offenen Feuer gegrillt. Nur Thomas fehlte noch.“

„In der heutigen Zeit ist es kaum noch vorstellbar, dass irgendjemand außer Haus geht, ohne es vorher einzustecken.“
(Ach ja, es ging um die Wichtigkeit des Handys!)

Ist doch ihre Sache, wie’s vor der eigenen Hütte ausschaut, oder?
„Streunende Hunde machen ihr Geschäft, wo immer wie wollen; oft sogar vor der eigenen Einfahrt.“

6. Klasse: „Mein Lieblingsplatz“
„Es wäre schon, wenn wir Schularbeiten im Bett schreiben könnte, denn da kann ich mich am besten konzentriert.“

Nicht jedes sprachliche Bild drückt aus, was der Verfasser gemeint hat:
„Allzu oft berichten Schreckensmeldungen von Jugendlichen, die […] im Straßengraben ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.“
(aus einer Klausurarbeit zum Thema „Gefahren des Straßenverkehrs“)

 

Aus dem weiten Feld von Orthographie und Grammatik:

2. Klasse. Aufgabe: Suche (als Rechtschreibhilfe) Wörter aus derselben Wortfamilie.
„Gnädig kommt von Knade.“

3. Klasse.
„Die Polizei wusste sofort, wo sie anfangen sollten.“ (Lehrerbemerkung im Rand: G = Grammatikfehler).
Die Verbesserung: „Der Polizei wusste sofort, wo er anfangen sollte.“

Kritische Stimme aus einer 3. Klasse:
„Unser Lehrer […] will seine Schüler immer belehren. Obwohl er selber nichts weis. Er stellt sich forne hin und ließt das Buch herunter […].“

Der Rekord „Wer schafft mehr Rechtschreibfehler in einem Wort“ wurde jüngst auf fünf geschraubt (1. Klasse):
„Sie hatten nur lauter plötzin im Kopf.“ 

 

Fremd- und auch sonst schwierige Wörter:

Supplierstunde am letzten Schultag des Semesters - 2. Klasse. „Machen wir bitte ein Quiz?“
Frage: „Was bedeutet kompetent?“
Alles schweigt und denkt.
Leise Stimme aus dem Hintergrund: „Impotent hätt’ i g’wisst!“

3. Klasse, Berufsorientierung. Welche Berufe haben die Eltern?
Schüler: „Mein Vater ist Anästhesist im Krankenhaus.“
Lehrerin: „Erkläre bitte deinen Mitschülern, was seine Aufgabe ist!“
Schüler: „Er schläfert Menschen ein.“

 

Missverständlich bzw. einfach ein wenig verdreht:

Spiel zum Thema „Gegenstände beschreiben“/3. Klasse:
Im Rahmen einer Partnerarbeit soll ein Gegenstand in 10 Schritten immer näher definiert werden. Die Klasse rät nach jedem Schritt, worum es sich handeln könnte.
Ein (tatsächlich) harmloses Beispiel:
„Wenn jemand mich sieht, zieht er sich gleich aus.“ ?
„Wenn ich jemandem über den Körper streichle, verliert dieser eine bestimmte Flüssigkeit.“ ??
Antwort: „Die Sonne.“ (Ach soo!)

4. Klasse:
Damit man nicht meint, solche Verwechslungen passierten nur beim Sprechen:
„Ein Mann brachte sie zu einem Haus, das am Randwalde lag.“

Unterschiede bei der Klein- und Großschreibung: drei / Drei
Selbst erfundener Beispielsatz: „Der Stand der Dinge ist, dass du auf einen Dreier stehst.“
(Man merkt, welche Bedeutungsunterschiede die Verwechslung von m und n nach sich ziehen kann!)

5. Klasse, Nacherzählung der Monologe in Köhlmeiers „Sunrise“; PC-Ausdruck!
„Die beiden verleibten sich.“
(Ist insofern treffend, als besagtes Paar miteinander intensiv verkehrte …)

Hat die Sammlung bereichert – war in dieser Schreibweise noch nicht gesehen worden (übrigens handschriftlich, nicht per PC):
„Unser Gymanisum ist das einzige im mittleren Burgenland.“

 

Von der Schwierigkeit, etwas so zu lesen, wie der Autor es gemeint hatte:

Am Tag der 75. Wiederkehr der Geburt Thomas Bernhards liest man natürlich auch in der 5. Klasse einen Text des großen Dichters (aus „Frost“). Manche Wörter haben nach seinem Tod aber offensichtlich eine Bedeutungsverschiebung erfahren:
„Eine Famulatur ist nicht nur das: (etwas) über die Schulter in den E-Mail-Kübel werfen.“ (Das Wort „Email“ war gar nicht bekannt …)

PISA erfordert, dass auch in der 7. Klasse noch laut gelesen wird. Stoff: Patrick Süskind, Das Parfum. Erschwerend: viele französische Eigennamen. Das klang dann so:
„Da kam Drüo aus den >Gatr Dophins< … und erzählt õ passõ, heute sei der Zweite Konsul mit zwölf Moltjeren nach Grönobl gezogen.“
„Moltjeren“?? Ach – mit zwölf Maultieren …

Die Dialekt-Niederschrift von h.c. artmann ist nicht einfach zu lesen. Jemand hat es so versucht:
„a schrewágatal. (Stille.) Was ist das, bitte?“ Noch nichts von „Schrebergärtchen“ gehört?

Im Advent ist einfach alles Bibel. Aus einem Referat, 8. Klasse:
„Er wurde im Krieg verwundet und landete in einem Lázareth“.

 

Fächerverbindendes:

Deutsch/Mathematik (3. Klasse):
„Die Uhr hat zwei Zeiger: den Stunden-, den Minuten- und den Sekundenzeiger.“

Englisch/Deutsch (4. Klasse) - von den Gefahren, die von schnellen Autos ausgehen:
“It is dangerous, because they can … in Grom einefoan.“

 

RELIGION:

Religion 1. Klasse, vor Weihnachten neues Lied „Feliz navidad“. Es kommt gut an, dabei fällt auf, dass einige Mädchen beim Refrain „Fenster putzende“ Bewegungen machen. Auf die Frage des Lehrers, was sie damit meinen, sagt eines:
„Es heißt doch ‚I wanna WISH you‘, oder nicht?“

Testfrage zur Heiligen Messe:
Nach der Lesung sagt der/die Lektor/in „Wort Gottes“ und die Gemeinde antwortet …
Schülerantwort: „Gott sei Dank.“

Schriftliche Wiederholung Hl. Messe und liturgische Gegenstände:
„Wie heißt der kostbare Behälter, in dem der Herr Pfarrer am Fronleichnamstag das Allerheiligste durch die Straßen trägt?“
„Mostkranz.“

2. Klasse, „Meine Pfarrkirche“:
„Man muss ein paar Stufen überwältigen, wenn man in die Kirche gehen will.“

4. Klasse. Schriftliche Meditationsübung „Mein Kirchentraum“
S: „Lange stand ich vor den Heiligenbildern. Schließlich setzte ich mich auf einen Beichtstuhl.“

Lehrer teilt Kärtchen mit Funktionsträgern einer Pfarre aus. Aufgabe: Beschreibe, was du tust, und zwar so, dass die anderen es erraten können!
Schülerin: „Ich organisiere die Abläufe in einer Pfarre.“
Kein Begriff stimmt – Pfarrgemeinderat, Mesner, alles scheint falsch. „Jetzt sag schon, was du bist!“
Schülerin: „Organist!“

5. Klasse, schriftliche Referatsgrundlage zum Judentum:
Der Begriff Thora bedeutet „Gesetz“ oder „Lehre“ und bezieht sich auf die fünf Bücher Möse.

7. Klasse:
Lehrer: „Was wird sich im bevorstehenden Advent bei euch daheim verändern?“
Schülerin: „Wir werden den Adventkalender anzünden!“

Langzeit-Hausübung zum Thema „Leben nach dem Tod in den drei monotheistischen Weltreligionen“
Zitat Bereich Islam: „Das Leben auf der Erde entscheidet ob der Mensch im Paradies oder in der Hölle kommt.“
(Eine sicherlich zu enge Sicht der moslemischen Auffassung eines Paradieses …)

 
Am Ende eine bahnbrechende Erkenntnis: Eine Erstklasserin (!), als sie das Deutsch-Schularbeitsheft öffnet und eine negative Note erblickt.
„Es gibt keinen Gott!“
 
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