Herr Sportplatzbesucher gibt Auskunft

(FE hatte einen nicht unbedingt unrealistischen Traum)

Ort des Geschehens: Stehplatz auf dem USCP-Sportplatz unweit der Kantine. Ein untersetzter Herr in mittleren Jahren – er trägt eine Kappe mit dem Vereinslogo – hat vor sich ein Bier (wahrscheinlich nicht das erste) stehen und blickt leicht gelangweilt auf das Geschehen vor sich. Es spielt die Kampfmannschaft gegen …

SP:

Gegn wen spü‘ ma heit eigentlich?

FE:

S, die haben im Frühjahr noch gar nicht verloren – gutes Team!

SP:

Dann san de woascheinlich vor uns – wo stehn mir in da Taböön?

FE:

Zehnter.

SP:

Au weh. Dass do nie was geht bei uns!

FE:

Was heißt! Wir sind jetzt das zehnte Jahr hintereinander in der 2. Liga, insgesamt 17 Saisonen – in keiner anderen Klasse waren wir so lang!

SP:

Jo, oba dafua gwinna ma nix. Des is jo ned zan Auschaun! Wer is’n dea Vierzehna schnö‘?

FE:

Der Z.

SP:

A Ungar, a jo. So was ham mia damals ned brauchd.

FE:

Du hast auch gespielt? Weiß ich gar nicht!

SP:

Jo, na heasd, Mitte 70er-Joa.

FE:

Ach so, 2. Klasse.

SP:

Na, glaubst, de woan schlecht damals?

FE:

Ich war seinerzeit auch schon fallweise auf dem Platz. Na ja, da hat jeder seine Position gehalten und die Verteidiger haben den Ball meist nur irgendwie nach vorne geschlagen.

SP:

Geh, hea auf – Zentimeter-Pass woan des olle! Und wie die Stürmer g’laafn san – so schnöö is heid kana do drin!

 

(Unsere Nr. 9 gewinnt mittlerweile ihr drittes Laufduell hintereinander.)

FE:

Und was ist mit dem St.? Der läuft seinem Bewacher immer wieder davon.

SP:

Jo, oba de Flankn – schau da des au, do is jo kana drin, der mid’n Kopf was kau!

 

(Ein Kopfball eines Unsrigen klatscht von der Stange ins Feld zurück.)

FE:

So ein Pech!

SP:

Wos hasd Pech – Unvermögn is des! (Laut und unfreundlich:) Heasd, lean amoi kickn, bevoas d’da do wos zoin lossd! A Witz is des!

 

(Schimpft zu seinem anderen Stehnachbarn gerichtet weiter. Er erhält von diesem ein Bier bezahlt.)

FE:

Schau, hast du diesen Einsatz gesehen? Tolle Balleroberung, wir haben die nächste Chance!

SP:

Naa, hob i ned g’segn, i schau do ned immer so hin. Ma mecht si jo unterhoidn aa. SCHIRII! Des woa doch nie a Obseit!

FE:

Ich dachte, du hast nicht hingeschaut? Oh ja, der war sicher drei Meter vorne.

SP:

Geh, nie im Lebn. Des woa scho immer so – de Schiedsrichter pfeifn olle gegn uns!

FE:

Aber wo. Es gleicht sich alles aus. Sie pfeifen halt das, was sie sehen, und nicht das, was wir immer gern wollen.

 

(Ein Pilgersdorfer Spieler wird gelegt, der gefoult Habende sieht die gelbe Karte.)

SP:

SCHIRII!! ROOD!! Bisd denn gaunz deppat? Wos is’n dann a Rode?

FE:

Na ja, so schlimm war das nicht. Und eine Rote schon nach einer halben Stunde?

 

(Bei einem Zusammenstoß hat sich ein Gegner offensichtlich verletzt und wird verarztet. Gelb für unseren Mann.)

SP:

SCHIRII! Du Oa…och! Des woa nia a Foul! Wegn jedn Schaaß wachelst mit die Koatn!

 

(Halbzeitpfiff einer munteren Partie, es steht noch 0:0. SP revanchiert sich beim anderen Nachbarn und kommt mit zwei Bier von der Kantine.)

FE:

Sie halten eh gut mit unsere, oder?

SP:

Joo, oba des is ois z’weng, Stückwerk, wia ma sogt. Wann i da an an T oda an an L denk. Wia mia die Unterpuindorfa domois haamg’schickt hom …

 

(Es geht weiter, die Gäste werden stärker. Unser Torhüter dreht einen gefährlichen Weitschuss über die Latte.)

SP:

Wieso fangd der den ned? Da B hätt den midn Kappl gfangd!

 

(Eckball, der Goalie faustet den Ball aus der Gefahrenzone.)

SP:

Schau da den an! Mia wird schlecht, waun i des g’siag!

FE:

Ja, aber hast du dich nicht bei seinem Vorgänger dauernd aufgeregt, dass der auf der Linie geklebt und nie herausgekommen wäre?

SP:

A Toamau muass olle niedertredn, wann da Boi in da Luft is. Da B damois …

FE:

… ist insgesamt sicher über ein Jahr gesperrt gewesen, WEIL er alle niedergetreten hat.

SP:

Owa mia hom wos gseng!

 

(S ist wieder durstig, Bier Nr. 5 wird angegangen. In der Zwischenzeit haben wir getauscht, ein junger Salmannsdorfer betritt das Spielfeld und beginnt mit einem Stoppfehler.)

SP:

Wos isn des fia aner?

FE:

Der M aus Salmannsdorf.

SP:

Dass unsere owa goa nix kinna! Am g’scheidasdn waas, mia kaafadn no fünf, sechs Leid – mit die Jungan kannsd jo heidzudog iwahaupt nix mehr aufanga!

 

(Besagter M geht beherzt in den Strafraum, legt ideal für B ab, und es steht 1:0 für uns.)

SP:

(ohne eine Miene zu verziehen:)  Na, God sei Daunk, wird jo Zeid.

FE:

War doch eine herrliche Aktion, oder?

SP:

A wos, des hätt a jeda gmochd. Oba wia i immer sog: Lossts die Jungan spüün, hauds de Auswärtign olle außi, des muiß so aa geh!

FE:

Aha, vor drei Minuten hat das ganz anders geklungen. Angeblich soll der J sogar deswegen nach P gegangen sein, weil du ihn immer so niedergeschrien hast!

SP:

Dea? Heasd, dea is doch nua umadumgstandn! Ka Einsotz, ka Feia, nix!

FE:

Und dort ist er jetzt einer der besten Torschützen. Fast zwanzig Mal hat er schon getroffen.

SP:

Na, in da easchdn Klass, do is jo nix dabei.

FE:

Und deine tollen Erfahrungen in der 2. Klasse?

SP:

Des is wos aundas, des woa domois ois bessa wia des do!

FE:

(Seufzt.)

 

(Der Druck der Gästemannschaft steigt spürbar, in der 70. Minute ist es so weit, der Ausgleich passiert.)

SP:

UNFÄHIG! Olle san’s unfähig, vom Ansa bis zum Ochzehna! Gegn a Durchschnittstruppn so a Tial griang! Und da Trääna? Wos duad dea? Nix!

 

(Doch – er bringt zwei neue Leute.)

SP:

Gibt’s des aa? Den nimmt a außa? Dea woa jo no der Bessere!

 

(Die beiden bringen frischen Wind, es wird beinahe ein Sturmlauf, die letzten zwanzig Minuten gehören ausschließlich uns.)

FE:

Hopp, hopp, Burschen, da geht noch was!

SP:

(Schweigt in sein sechstes Bier hinein. Auch sonst ist es sehr still auf unserer Tribüne, was besonders ein Kirchschlager Besucher nach dem Match nicht verstanden haben wird.)

FE:

Warum feuerst du unsere Jungs nicht ein bisschen an?

SP:

De suin laafn, griang jo aa genug zoid dafia!

FE:

Wie bitte? Unsere spielen doch maximal ums Fahrtgeld und um eine kleine Siegprämie!

SP:

Hea ma auf. Lauta sotte, bequeme Owizahra!

FE:

Aha, jemand, der in Wien studiert und  zwei- bis dreimal wöchentlich zum Training anreist, ist ein “Owizahra”? Wie lang bist du eigentlich schon in Frühpension?

SP:

Fünf Joa, wiaso? I hab a chronisches Leberleidn, des is wos aundas.

 

(Der Torwart der Gäste läuft zu großer Form auf und verhindert drei echte „Sitzer“.)

SP:

Den schau da au, so an brauch ma.

FE:

Ich weiß zufällig, was der bekommt. Den könnten wir uns nie leisten.

SP:

(Schon mit etwas schwerer Zunge.) Ziang mas unsere oo. De kenna jo olle nix. Dann kunnt ma in die Landesliga kumman und endlich an Fuaßboi seng do! Des muiß i ma schwaa überlegn, ob i wegn den Hundskick do no amal hergeh!

 

(Unsere Drangperiode bleibt leider unbelohnt, die Gäste retten den Punkt über die Zeit.)

SP:

SCHLEICHDS EICH OLLE! NICHTSKÖNNA! VASOOGA! Wann ma ned amoi gegn de gwinna! (Leiser:) Am bestn waa’s eh, wamma olle Auswärtign entlosst und die eigenen zruckhulad. Steing ma hoid oo, spüü ma gegn d’Nochban.

 

(Eine Stunde später. Herr SP ist beim Konsumieren des siebenten Biers im Clubraum eingeschlafen. Als er erwacht, sieht er an einem Tisch vier USCP-Spieler sitzen.)

SP:

(Für sich) Vier Hansln, mia san geschlossn bliebn, bis um zwa in die Fruah, des woa hoid no a Kameradschaft! (Laut zu den vieren) Supa, Buaschn, hobt’s as eana wieda zagt, wos de Bügaschdorfa kinna! Wen homma in 14 Dog? De Kreiza? Gfrei mi scho – mia segn uns, pfiad eich!

 

Ernst Filz sagt dem Fußballsport als Funktionär mit Juni 2012 leise „Servus“.

Wichtig ist ihm, dass sein „SP“ nicht EINE Person, sondern die Summe vieler Personen ist, die er in mehreren Jahren Vereinstätigkeit (und beileibe nicht nur beim USC Pilgersdorf!) kennen gelernt hat.

Pilgersdorf, am 2. April 2012